• Problembeschreibung
  • Was ich versucht habe
  • Begründung des Spiels
  • Auf einen Blick: Wie funktioniert das Spiel?
  • Druckvorlage

Problembeschreibung

Während des Referendariats habe ich einen Kurs in Jahrgang 8 unterrichtet, der große Schwierigkeiten hatte, sich auf den Unterricht einzulassen. Ich habe beobachtet, dass einige wenige Schüler durch immer extremere Regelbrüche (Vandalismus, Beleidigungen, Gewalt gegen SchülerInnen und mich), erreichten, dass sich der Spielraum für Regelbrüche aller SchülerInnen erweiterte. Obwohl die entsprechenden Schüler ihre MitschülerInnen beleidigten, haben sie von ihnen häufig positives Feedback für ihr Verhalten bekommen. 

Was ich versucht habe

Dieser Dynamik habe ich erst mal unerfahren und verzweifelt gegenüber gestanden. Die Klassenlehrerin gab mir den Rat, die Eltern der SchülerInnen zu kontaktieren. Das brachte leider wenig Erfolg und hat gleichzeitig sehr viel Aufwand verursacht. Es war hauptsächlich ein Schüler, der durch Gewalt auffällig war. Im Gespräch mit seinen Eltern habe ich erfahren, dass diese sein Verhalten unterstützen. Der Junge müsse sich verteidigen, das sei schon richtig so, hieß es.

Eine andere Kollegin gab mir den Rat, eine Strichliste zu führen und bei drei Strichen müsse die Person nachsitzen bzw. zum pädagogischen Nacharbeiten.
Auch das habe ich probiert und musste feststellen: Hier sitze in erster Linie ich nach. Das Prozedere hat derartig viel Aufwand verursacht, dass ich stundenlang hinter her sein musste:
Wer muss wann wo zum Nacharbeiten?
Sind alle Eltern informiert?
Dann Ärger mit Eltern, die ihren Kindern sagen, dass sie auf keinen Fall zum Nacharbeiten gehen sollen.
Nachhalten, wer überhaupt da war. Und wenn nicht? Wieder zum Nacharbeiten aufschreiben?

Begründung des Spiels

Also habe ich versucht, die Dynamik, in der die regelbrechenden SchülerInnen Anerkennung bekommen, zu durchbrechen und ein System in den Unterricht einzubinden, das die Rollenverteilung in der Gruppe umdreht.

Es gab natürlich mehrere SchülerInnen, die positives Sozialverhalten gezeigt haben. Allerdings sind sie in dem Chaos der anderen oft untergegangen. Das System setzt daher auf Belohnung von positivem Verhalten. In der Annahme, dass Regelbrüche auch Ausdruck eines Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit sein können, entschied ich mich, meine Aufmerksamkeit und Hinwendung auf die SchülerInnen zu fokussieren, die sich am Unterricht interessiert zeigten und sich freundlich verhielten. 
Durch Regelbrüche meine ganze Aufmerksamkeit zu erlangen funktionierte ab sofort nicht mehr. 

Die Lösung konnte natürlich trotzdem nicht sein, diese SchülerInnen auszuschließen. Stattdessen wurden sie eingegliedert in ausgeloste vierer Teams.

Teamzusammensetzung

Durch die zufällige Verteilung der SchülerInnen auf die Gruppen konnte ich Diskussionen über die Gruppenzusammensetzung schnell beenden.

Außerdem kommt hier die Wirkung zum tragen:
Die SchülerInnen, die häufig negativ auffallen, ziehen das ganze Team runter. Entsprechend freuen sich die anderen Teammitglieder nicht unbedingt, wenn sie einen dieser SchülerInnen zugelost bekommen. Hier erfahren die SchülerInnen zuverlässig negative Reaktionen auf ihr Verhalten. Plötzlich erkämpfen sie nicht mehr Freiheit für alle, sondern werden als Last für die Gruppe empfunden. Das Spiel setzt also auf Selbstregulation der SchülerInnen untereinander. Das heißt, negatives Sozialverhalten wird weiterhin reguliert, aber nicht mehr durch mich, nicht durch „Sanktionen“ wie Nachsitzen und böse Briefe nach Hause sondern durch sozialen Druck in der Klasse.

Die Zusammensetzung der Teams wechselt jede Woche, sodass die SchülerInnen jede Woche erneut die Erfahrung machen, in den Teams nicht für Begeisterung zu sorgen.
Gleichzeitig wird einer Gefahr entgegengewirkt: Wenn ein Schüler in der Gruppe dauernd Regeln bricht und das Team belastet, könnte das Spiel dazu betragen, Mobbing-Strukturen gegen diesen Schüler anzulegen. Dadurch, dass die Gruppen wöchentlich wechseln, verfestigen sich die Gruppen nicht so sehr, dass solche Strukturen entstehen.

Hinzu kommt, dass die positiv formulierten Regeln den SchülerInnen Orientierung bieten. Sie können ihr Verhalten jederzeit und sofort ändern und damit für eine angenehme Stimmung im Team sorgen. Sobald diese Verhaltensänderung eintritt, erfahren die SchülerInnen, wie der Druck nachlässt, das Team zusammen arbeitet und Erfolge erlangt. Eine kleine Änderung im Verhalten setzt also nun eine positive Dynamik in Gang. 

Die Regeln

Für das Spiel habe ich Regeln verwendet, die die SchülerInnen sich selbst (in einem früheren Versuch, das Problem zu lösen) gegeben hatten. Ich habe die Regeln so umformuliert, dass sie positive Verhaltensweisen beschreiben. 

Belohnung

Die Belohnung bestand auf Wunsch meines Kurses in der Regel in Süßigkeiten für die Gruppe. Die Süßigkeiten habe ich für die SchülerInnen besorgt.
Die SchülerInnen haben vorgeschlagen, dass die schlechteste Gruppe der Woche übers Wochenende einen Kuchen für die Sieger-Gruppe backen muss. Weil in dieser Klasse aber Zuverlässigkeit ein Problem ist und einige SchülerInnen Sorge hatten, dass da seltsame Backmischungen entstehen könnten, haben wir diese Option verworfen. 
Etwas gesünder wäre die Option, der Sieger-Gruppe ein Hausaufgabenfrei zu gewähren. Da in dieser Klasse aber Hausaufgaben grundsätzlich nicht angefertigt werden, habe ich vorerst von Hausaufgaben abgesehen, um zunächst größere Probleme anzugehen. 
Denkbar sind viele Formen von Belohnung. Sie muss nur attraktiv für die SchülerInnen sein.
Eine Idee wäre auch: Wenn in einer Woche alle Gruppen noch min. 9 Punkte haben, machen wir einen schönen Ausflug oder ähnliches. 

Auf einen Blick
Wie funktioniert das Spiel?

Teams
Die SchülerInnen werden per Los in vierer Teams eingeteilt. Sie sitzen in Gruppentischen zusammen und arbeiten kooperativ. 

Punkte 
Es gibt ein paar einfache, positiv formulierte Regeln. Jedes Team startet mit 10 Punkten in die Woche. Verletzt eine Person im Team eine Regel, wird dem ganzen Team ein Punkt abgezogen.

Belohnung 
Die Gruppe, die am Ende der Woche noch die meisten Punkte auf dem Konto hat, erhält eine Belohnung. Wenn mehrere Gruppen gewinnen, werden sie natürlich alle belohnt.

Durchführung
Für die praktische Durchführung habe ich eine Vorlage entwickelt und auf Folie gedruckt. Auf dieser Vorlage habe ich jede Woche die Teammitglieder ausgewischt und neu eingetragen sowie bei Regelbrüchen den Punktestand geändert.