In meinem Q2 Sowi-Zusatzkurs haben die SuS an einem konfliktorientierten Projekt zum Syrien-Konflikt gearbeitet. Die Abschlusspräsentationen sollten in Form von Lapbooks erfolgen.

Lapbooks können als eine besondere Form von Plakaten bezeichnet werden. Sie sind in einem Format gehalten, das auf den Schoß passt, sodass man sich zusammen hinsetzen und hineinsehen kann. Die Plakate sind meist gefaltet und beklebt mit kleinen bunten Umschlägen, umgeklappten Karten, Bildern, Drehscheiben aus Papier usw. Wer den Begriff „Lapbook“ in einer Suchmaschine der eigenen Wahl eingibt, findet viele Fotos von kreativ gestalteten und farbenfrohen Lapbooks. Meist entstehen sie im Grundschulbereich oder zumindest in jüngeren Jahrgängen. Der Auer Verlag bietet Publikationen zum Erstellen von Lapbooks für die Jahrgangsstufen 5-6 an.

Mein Eindruck von Lapbooks war bisher: Eine schöne Darstellungsform für die Ergebnisse junger SuS. Da ich aber häufig eher ältere Kurse unterrichte, habe ich mich gefragt, ob diese Version von Plakaten nicht auch Potenziale für komplexere und ernstere Themen bietet.

Als ich den Kurs von meinem Kollegen übernommen habe, erzählte er voller Begeisterung von den Erklär-Videos, die die SuS zu seiner letzten Reihe gedreht haben. Der Kurs sei durch kreative Aufgabenstellungen sehr gut zu motivieren. Dass es sich um einen Zusatzkurs handelt, lässt uns etwas mehr Spielraum für Experimente und so entschied ich mich dafür, es auszuprobieren.

Ich habe die Reihe nach dem didaktischen Prinzip der Konfliktorientierung angelegt. Die SuS haben über Moodle eine Auswahl an Quellen sowie einige Leitfragen erhalten. Die Leitfragen sind mehr oder weniger direkt aus  Sibylle Reinhardts Politikdidaktik entnommen:
Sie handeln zunächst grundsätzliche Aspekte ab (Wer streitet mit wem? Worum wird gestritten?) und vertiefen dann in politikwissenschaftliche Grundprinzipien wie Fragen nach Macht, Ideologie, Funktionszusammenhängen, Solidarität…

Durch die Leitfragen bekommen die SuS ein Grundgerüst an die Hand, das für die Analyse aller Konflikte hilfreich sein kann, weil es eine systematische Auseinandersetzung ermöglicht und fördert. Ausserdem sind die Leitfragen auch hilfreich, um Lücken in Argumentationsgängen aufzudecken (Geschichtlichkeit, Menschenwürde?).

Die SuS haben sich in festen Gruppen zusammengefunden und zunächst die grundsätzlichen Fragen geklärt. Ihr Auftrag war es, die Fragen nicht in der angegebenen Reihenfolge zu bearbeiten, sondern immer wieder zu schauen: Welche Frage würde uns jetzt helfen, um weiter zu denken?

Das heißt, die SuS gestalten ihren Lernprozess innerhalb dieses Rahmens eigenständig und können ihren Interessen folgen, ohne sich in den inhaltlichen Weiten zu verlieren. Gleichzeitig ist ein Einigungsprozess innerhalb der Gruppe notwenig.

Schließlich haben die Gruppen Schwerpunkte festgelegt und dazu ihre Lapbooks gestaltet. Die Präsentationen waren für das Publikum sehr interessant, weil die Lapbooks zum Entdecken einladen und die Gruppen an unterschiedlichen Themenschwerpunkten gearbeitet haben.